Die Cheyenne

 

Das Land der nördlichen Cheyenne (Montana USA)
Die Cheyenne sind ein Volk der Algonkin-Sprachfamilie und gehören zu deren westlichsten Vertretern. Der Name Cheyenne stammt wahrscheinlich aus einer Abwandlung der Sioux-Bezeichnung 'She hi ye na' was soviel bedeutet wie 'sie sprechen eine unverständliche Sprache'. Die Cheyenne selbst nennen sich Tsitsistas - das Volk. Sie waren ein typischer Vertreter der Plainskultur das heisst, sie lebten als nomadisierende Büffeljäger.
Die Geschichte
Die Geschichte der Cheyenne liegt immer noch im Dunkeln. Man vermutet, dass sie früher nördlich der Grossen Seen lebten. Von dort zogen sie in das Gebiet des heutigen Minnesota, wo sie als Jäger und Wildreisernter lebten. Mitte des 17. Jahrhunderts siedelten sie am Mississippi an der Mündung des Wisconsin Rivers. Unter dem Druck der Assiniboins und ihrer Verbündeten, der Cree, zogen sie an den Missouri im heutigen North Dakota und an den Sheyenne River, wo sie Dörfer aus Erdhäusern bauten und als Bauern lebten. Sie pflanzten Mais, Bohnen und Kürbisse und gingen gleichzeitig der Büffeljagd nach.

 

 

Zwischen 1700 und 1740 überschritten die ersten Gruppen der Cheyenne den Missouri und kamen im Gebiet der Black Hills in den Besitz von Pferden, welche ihnen den allmählichen Übergang zum Nomadentum ermöglichte. Ende des 18. Jahrhunderts wurden die letzten Dörfer aufgegeben und alle Cheyenne lebten nun in Tipis. Zu dieser Zeit kontrollierten sie mit den Suhtai und Arapaho das Gebiet der Black Hills.
Unter dem Druck der Lakota mussten sie diese um 1805 aufgeben und gelangten ins traditionelle Gebiet der Plainsindianer zwischen den Bighorn Mountains im Norden, dem Arkansas im Süden, den Rocky Mountains im Westen und den Black Hills im Osten. Um ca 1825 begannen grössere Gruppen der Cheyenne nach Süden zu ziehen. Diese Wanderung führte zur Trennung der Cheyenne in einen nördlichen und einen südlichen Stamm, ohne dass diese Trennung jemals sehr strikt war. 1838 verloren die Cheyenne im Kampf mit den Pawnee ihre Heiligen Pfeile, was als grosses Unglück angesehen wurde, stellten diese doch das wichtigste Stammesheiligtum dar. Erst 1843 erhielten sie die Heiligen Pfeile von den Lakota zurück. Diese hatten sie bei einem Überfall auf die Pawnee erbeutet. Mit der Rückgabe der Heiligen Pfeile an die Cheyenne wurde ein enges Bündnis der Lakota mit den Cheyenne und den Arapaho begründet.

Die zunehmende weisse Einwanderung sorgte ab Mitte des 19. Jahrhunderts für zunehmende Konflikte zwischen den Cheyenne und den USA. Am 29.11.1864 kam es zu einem Überfall des 3. Colorado Regiments unter dem Methodistenpfarrer Colonel Chivington auf ein Winterlager der Südlichen Cheyenne unter Häuptling Black Kettle, das als Sand-Creek-Massaker in die Geschichte einging. Das Lager der Cheyenne bestand aus ca. 600 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Die meisten Männer befanden sich auf der Jagd. Chivingtons Truppe war 700 Mann stark. Der Angriff erfolgt im Morgengrauen und forderte unter den Cheyenne ca. 150 Opfer. Am 27.1.1868 wurde erneut ein Lager Black Kettles überfallen. Diesmal war der Angreifer Lieutenant George A. Custer. Er tötete im Washita Massaker über 100 Cheyenne, darunter auch Black Kettle. Am 9.12.1875, weniger als 10 Jahre nach dem Vertrag von Fort Laramie, wurden alle Stämme der nördlichen Plains aufgefordert, sich bis zum 31.1.1876 bei einer der Indianeragenturen zu melden. Diese Aufforderung stellte einen klaren Vertragsbruch dar und aufgrund der Witterung und der Grösse des Territoriums wäre eine Einhaltung des Ultimatums durch die Plainstämme auch gar nicht möglich gewesen. Am 25.6.1876 kam es am Little Bighorn River zur Schlacht zwischen Custer's 7. US Kavallerie und den verbündeten Stämmen der Lakota und Cheyenne. Custers Truppe wurde bis auf den letzten Mann vernichtet.

Nach dieser Niederlage verstärkten die USA ihre militärischen Anstrengungen und die Nördlichen Cheyenne mussten sich ergeben. Sie wurden in das Indianerterritorium im heutigen Oklahoma deportiert, wo sie mit den Südlichen Cheyenne und den Arapaho eine Reservation teilten. Aufgrund der ungewohnten klimatischen Verhältnisse und der schlechten Versorgung mit Lebensmitteln war die Sterblichkeit unter den Nördlichen Cheyenne ausserordentlich hoch. Deshalb entschlossen sich die Häuptlinge Dull Knife und Little Wolf am 10.9.1878, die Reservation zu verlassen und sich zum Tongue River durchzuschlagen. Trotz einer gross angelegten Verfolgung durch die US Army und obwohl Dull Knife zwischenzeitlich gefangen wurde, waren sie letztendlich erfolgreich. 1884 wurde die Tongue River Reservation offiziell gegründet. Heute leben etwa 3200 Nördliche Cheyenne in Montana und 5100 Südliche Cheyenne in Oklahoma. Zu Ehren Dull Knifes besteht heute im Cheyenne Reservat das Dull Knife Memorial College. Dort wird die vom Verschwinden bedrohte Cheyenne-Sprache und auch weitere Traditionen wieder gelehrt. Die Sprache ist eine ganz spezielle. Sie wird nicht von vielen Stämmen verstanden und sie ist auch schwer zu lernen.

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